© Mai 2025, letzte Änderung am 29.05.25
Anfang der Studienzeit wurde ich einmal auf ein Seminar von Motorola eingeladen.
Dort ging es um den Einsatz von Signalprozessoren
am Beispiel einer Frequenzweiche für Lautsprecher.
Das war etwas vor 1990.
Nun, ca. 35 Jahre später, mit 217 ≈ 128.000 facher Rechen-Leistung,
steigt so langsam die Akzeptanz digitaler Systeme.
Hier habe ich die nicht ganz richtige konservative Variante des Mooresche Gesetz
angenommen, also ca. eine Verdopplung alle 24 Monate.
Früher waren die Bauteile mit mehr Toleranzen behaftet, nicht so schnell
und vor allem wesentlich teurer.
Heute bekomme ich Kleinsignal-Transistoren im Cent-Bereich
oder 60 W Verstärker-ICs im einstelligen € Bereich.
Aufgrund des Preisverfalls macht es daher meiner Meinung nach Sinn,
nicht nur das eine Ende des Lautsprecher-Chassis anzusteuern,
sondern mit zwei gegenphasig arbeitenden Verstärkern, einer H-Brücke
das Chassis anzusteuern.
Das hat mindestens zwei Vorteile:
Bei klassischen Lautpsrecherboxen, habe ich je Box einen Verstärker
und in der Box befindet sich für die Chassis eine passive Frequenzweiche.
Da der Impedanzverlauf eines Chassis komplex, Frequenzabhängig und
vom Boxenaufbau abhängig ist,
wird diese Weiche mehr oder weniger bestimmbar mit z.B. 8 Ω belastet.
Und zum anderen geht die komplette Leistung des Chassis über die Weiche.
Damit das bezahlbar bleibt, werden Spulen häufig mit Ferriten aufgebaut,
was aufgrund der Hysteresekurve und Sättigung Harmonische erzeugt.
Das aufgewickelte Kupfer hat, aufgrund der Länge,
auch noch einen nennenswerten Widerstand.
Um die großen benötigten Kapazitäten zu realisieren, werden häufig
Elektrolyt-Kondensatoren verwendet, welche induktive Anteile haben,
nichtlinear sind, eine Vor-Spannung haben, sich asymetrisch verhalten
und große Toleranzen haben.
Eine mit Operationsverstärkern aktive Frequenzweiche ist dem
in vielen Aspekten überlegen.
Doch aus irgendwelchen Gründen, hat man den Mehraufwand an Verstärkern,
je Chassis einen, lange Zeit vermieden.
Um nun ein wenig Erfahrung zu sammeln wie gut oder schlecht
so etwas aufzubauen ist, dachte ich mir, ein kleines Projekt zum Einstieg
wäre genau das Richtige.
Zum Anfang
Mein Stella Light Nachbau, siehe
visaton.de
basiert auf den Breitbänder FRS 8, welcher zur Abrundung unterhalb 200 Hz
mit einen Tieftöner W 170 S ergänzt wird.
Somit ergibt sich ein 2-Wege-System.
Den Aufbau der Mechanik habe ich ausgelagert.
Statt einer passiven Frequenzweiche, wie im Original,
habe ich mich für eine aktive entschieden.
Zunächst musste ich mir Gedanken machen wie ich die Filter realisiere.
Ich habe mich dafür entschieden das modular aufzubauen.
Man hat dann die Möglichkeit unterschiedliche Systeme durch
die Zusammenstellung verschiedener Module zu realisieren.
Z.B. für Sub-Woofer, 2-Wege, 3-Wege System, etc.
Also habe 4 kleine Platinen erstellt.
Zum Anfang
Da ich beabsichtige die Lautsprecher-Chassis mit fertigen class-D Verstärker-Platinen zu betreiben,
wird die Versorgungsspannung asymmetrisch sein. Z.B. 15 V und Gnd.
Für den optimalen Betrieb der Operationsverstärker ist jedoch eine symmetrische Spannung von Vorteil.
Daher setzte ich einen kleinen DC/DC-Wandler ein, um die nötigen ±5 V zu erzeugen.
Konkret habe ich einen 12 V In, 15 V Out DC/DC-Wandler verwendet.
→ Pin 1 +12 V Pin 2 Gnd auf linker Seite R14, R15 und R16 sind dann nicht bestückt.
Das Gnd erzeuge ich mir durch Halbierung der 15V Spannung über einen OP und
vom Schmutz des DC/DC-Wandlers befreie ich mir die Spannung durch zwei 5 V Spannungsregler.
Vorgesehen waren 12 V Spannungsregler in TO-220 Gehäuse, (siehe Zeichnung)
aber low drop 5V in TO-92 sind hier geeigneter. → Pin 1 +5 V Pin 2 -5 V Pin 4 Gnd
Für einen möglichen Sub-Woofer ist noch eine Summierung vom linken und rechten Kanal enthalten.
Wenn die Platinen ausgegangen sind, würde ich evtl. einen DC/DC-Wandler
mit anderer Pinbelegung verwenden. Denn 3000V Isolation ist nicht nötig.
Andererseits ist die Preisdifferenz mittlerweile Vernachlässigbar.
Die Spannungsregler würde ich in SMD oder TO-92 vorsehen und
von U7A den positiven Eingang des OP's nicht auf Gnd legen,
sondern über einen Widerstand nach Gnd und einen 2. Widerstand zum linken Kanal führen.
Somit hätte ich die Möglichkeit, je nach Bestückung,
entweder die Signale zu addieren oder voneinander abzuziehen.
Die DC/DC-Wandler von Traco TBA 1-1213E und Traco TBA 1-1213HI haben folgende Belegung
im Gegensatz zum Layout.
Siehe reichelt.de
| SIL-7 Gehäuse | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Traco TBA 1-1213E | +In 12 V | -In | -Vout | NC | +Vout 15 V | ||
| Platine | +In 12 V | -In | -Vout | Gnd | +Vout | ||
| Traco TBA 1-1213HI 3000 V Isolation | +In 12 V | -In | -Vout | NC | +Vout 15 V |
Zum Anfang
Da die folgenden Filter den Ausgang der Vorstufe belasten und ich
möglichst keine Beeinflussung haben möchte, habe ich noch einen kleinen Vorfilter aufgebaut.
Dieser dient zum DC-Schutz und zum Schutz gegen Lange-Welle Sender.
Links wird ein 3 poliger Stecker für die Einganssignale von den Chinch-Buchsen
oder von den doppelt logarithmischen Einganspoti benötigt.
Von rechts habe ich die Platine versorgt.
Das Audio-Ausgangssignal wird weiter an HP Hochpaß und TP Tiefpaß geleitet.
Zum Anfang
Zunächst habe ich mir den Filter etwas vereinfacht, indem ich die Verstärkung auf V = 1 gesetzt habe.
Damit ergibt sich folgendes mit:
2DT = R1C2 + R2C2; und
T2 = R1R2C1C2
A/E = 1 / (1 + jω 2DT − ω2 T2 )
Setzte ich an, dass der eine Widerstand oder Kondensator in dem Maße vergrößert
wird wie der andere verkleinert wird, erhalte ich folgendes.
n R1 = R = R2 / n; m C1 = C = C2 / m
Damit vereinfacht sich obige rechte Gleichung zu folgendem.
T2 = R1R2C1C2
→ ω0 = 1 / T = 1 / (RC) = 2 πf
Bei einer geplanten Eckfrequenz von f = 200 Hz → ω0 = 400 π → RC = 795 10-6
Setzte ich nun für C = 33 nF an, kommt für R auch ein brauchbarer Wert heraus R ≈ 24 kΩ
Für z.B. m2 = 0,1 ergibt sich C1 / √10 = C = √10 C2
Beziehungsweise C1 ≈ 100 nF und C2 ≈ 10 nF Also Werte in handhabbarer Größe.
Die Toleranz eines Folienkondensators liegt meist bei ca. 10%,
was später beim Abgleich zum tragen kommt.
Da für eine Lausprecher-Frequenzweiche ein
Besselfilter
am Sinnvollsten ist, ergibt sich D ≈ 0,866
2DT = R1C2 + R2C2;
→ 2 × 0,866 RC ≈ (R / n + n R) √0,1 C
2 × √10 × 0,866 ≈ 1 / n + n
→ n2 −2 × 2,739 n + 1 = 0
n1,2 ≈ 2,739 ± √( 2,7392 −1 );
n1 ≈ 5,29; oder n2 ≈ 189 10-3
Damit ergibt sich R1 ≈ 4,5 kΩ und R2 ≈ 128 kΩ
Beziehungsweise bei 10% Toleranz R1 ≈ 4,1…5,0 kΩ und R2 ≈ 114…140 kΩ
Da R2 etwas hoch ist, müsste man die Berechnung mit anderen Kondensatoren wiederholen.
Z.B. C1 ≈ 100 nF und C2 ≈ 22 nF → n1 ≈ 3,40
→ R1 ≈ 5 kΩ und R2 ≈ 58 kΩ
→ 4k3 und 1k Poti beziehungsweise 51k und 10k Poti.
Anbei die realisierte Schaltung (mit einer älteren Bestückung und anderer Bezeichnung der Bauteile).
Das physikalische Pentant ist die rechte Seite des folgenden Bildes.
RV8 RV6 RV2 RV4
Filter Ausgang
Hochpaß 3 polig
Filter Ausgang
Tiefpaß 3 polig
RV7 RV5 RV1 RV3
Zum Anfang
Auch hier habe ich mir den Filter zunächst vereinfacht, indem ich die Verstärkung auf V = 1 gesetzt habe.
Damit ergibt sich folgendes:
2DT = R1C1 + R1C2; und
T2 = R1R2C1C2
A/E = −ω2 T2 / (1 + jω 2DT −ω2 T2 )
Setzte ich an, dass der eine Widerstand oder Kondensator in dem Maße vergrößert
wird wie der andere verkleinert wird, erhalte ich folgendes.
n R1 = R = R2 / n; m C1 = C = C2 / m
Damit vereinfacht sich obige rechte Gleichung zu folgendem.
ω0 = 1 / T = 1 / (RC) = 2 πf
Bei einer geplanten Eckfrequenz von f = 200 Hz → ω0 = 400 π → RC = 795 10-6
Setzte ich nun wieder für C = 33 nF an, kommt für R auch wieder R ≈ 24 kΩ heraus.
Für z.B. m2 = 0,1 ergibt sich C1 / √10 = C = √10 C2
beziehungsweise C1 ≈ 100 nF und C2 ≈ 10 nF.
D ≈ 0,866 des Besselfilters wird wieder für eine Lausprecher-Frequenzweiche angenommen.
→ 2 DT ≈ RC (1 / m + m ) / n
n ≈ (√10 + √0,1) / (2 × 0,866)
n ≈ 2,01
Damit ergibt sich R1 ≈ 17 kΩ und R2 ≈ 34 kΩ
Beziehungsweise bei 10% Toleranz R1 ≈ 15…19 kΩ und R2 ≈ 31…38 kΩ
→ 15k und 5k Poti beziehungsweise 30k und 10k Poti.
Anbei die realisierte Schaltung (mit einer älteren Bestückung und anderer Bezeichnung der Bauteile).
Zum Anfang
Da der HP im Übernahmebereich die Phase in die eine Richtung dreht und der TP in die andere Richtung,
wird ein Chassis anders herum angeschlossen.
Damit man sieht wie sich das auswirkt, habe ich eine Open-Office-Tabelle angefügt.
Siehe Filter Berechnung 200Hz.ods
Im Gegensatz zur obigen Berechnung wurde mit Butterworth-Filtern gerechnet,
was auch die andere Platinen-Bestückung und Frequenzgang erklärt.
Ich hoffe man kann schön die Überhöhung der Butterworth-Filter sehen, wenn beide Chassis
im Übergangsbereich im Gleichtakt arbeiten. Also bei gegenseitiger Polung der Chassis.
Beziehungsweise die gegenseitige Auslöschung der Signale,
wenn die Chassis gegeneinander, mit gleicher Polung arbeiten.
Entsprechend ist es sinnvoll die Dämpfung etwas zu erhöhen, sodaß man zum
Linkwitz-Riley-Filter kommt.
Da ich nicht alles wieder auseinander reißen wollte, blieb ich bei Butterworth und
habe für TP und HP nicht die selbe Eckfrequenz einstellt.
Die Platinen wurden mit den freien Programm KiCad
kicad.org erstellt.
Wer lediglich die Platinen benötigt, kann sie z.B. über
jlcpcb.com fertigen lassen.
Dafür sind dann nur die Gerber-Daten active_filter_2019-03-10(gerber_drill).zip nötig.
| Bezeichner | Bezeichnung | Stückzahl |
|---|---|---|
| R17 | 100R | 1 |
| R3,R4 | 4k3 | 2 |
| R7,R8,R11,R12,R13 | 4k7 | 4 |
| R20,R21 | 8k2 | 2 |
| R18,R19 | 15k | 2 |
| R22,R23 | 30k | 2 |
| R9,R10 | 51k | 2 |
| R1,R2,R5,R6 | 56k | 4 |
| RV1,RV2 | 1k Bourns_3296W_Vertical | 2 |
| RV3,RV4,RV7,RV8 | 10k Bourns_3296W_Vertical | 4 |
| RV6,RV5 | 5k Bourns_3296W_Vertical | 2 |
| C5,C6 | 470p | 2 |
| C25,C26 | 10n MKS | 2 |
| C9,C8 | 22n MKS | 2 |
| C1,C2,C3,C4,C23,C24 | 100n MKT | 6 |
| C7,C11,C13,C15,C17,C19,C20,C27,C29,C30,C31 | 100n Z5U-5 | 11 |
| C10,C12,C14,C16,C18,C21,C22,C28,C32,C33,C34 | 22µ Radial 5mm 2,5mm | 11 |
| Q1 | BC337 | 1 |
| Q2 | BC327 | 1 |
| U1,U2,U3,U7 | NE 5532 DIP | 4 |
| U4 | TMA 1215 | 1 |
| U5 | 7805 | 1 |
| U6 | 7905 | 1 |
| J1,J2,J3,J4,J5,J6,J7,J8 (je nach Aufbau) | PinHeader | x |
Zusätzlich benötigte Bauteile stehen im Bereich Mechanik der 2 Wege-Lautsprecherbox.
Zum Anfang
Bei den Audio-Endstufen habe ich mir das Leben einfach gemacht.
Statt alles selbst zu entwickeln, habe ich fertige Platinen mit den TDA 8932 verwendet.
Anbei eine Liste verschiedener möglicher Lösungen Power-Amp's.
Audio-Pfad:
Zunächst geht das Signal von den Cinch-Buchsen vorne zum linken Lautstärke Einsteller.
Danach geht es zu den Filterplatinen. Die Ausgänge der HP-Filter gehen direkt zu den Endstufen.
Die Ausgänge der TP-Filter müssen evtl. etwas abgeschwächt werden
und gehen über den rechten Lautstärke Einsteller.
Versorgung
Die Verstärker TDA8932 werden mit 15 V bis 24 V betrieben.
12 V erzeuge ich mir via 7812 Spannungsregler für die PWR-Platine Pin 1 & Pin 2.
Die Filterplatinen sind für die Versorgung untereinander an Pin 1, Pin 2 und Pin 4 verbunden (±5 V & Gnd).
Zusätzlich sind für Audio Pins 3,4,5 zwischen den Platinen In, HP und TP verbunden.
Zum Anfang